„Human Art“ - Renee Politzer
Abstrakt kommt von „abstrahere“ aus dem Lateinischen und bedeutet abziehen, weglassen, entziehen. Übertragen auf die bildende Kunst ist „ Abstraktion“ sozusagen die „ Reduktion“ des Gegenständlichen. „Realistisch“ oder „naturalistisch“ bezeichnet man jene Kunst, die sich an natürlichen Vorlagen, an das vorgegebene Modell hält.
Jede „realistische Darstellung“ ist bloß eine Illusion der Wirklichkeit; denn reales Objekt und Abbild können tatsächlich niemals identisch sein, wenn sie sich noch so ähneln. Demzufolge unterliegt jede künstlerische Darstellung mehr oder weniger der Abstraktion. Real ist, als Bestandteil der Realität, das künstlerische Werk selber.
Die wechselseitige Wirkung, das Verhältnis der Begriffe „abstrakt zu real“ hat die Befreiung vom konventionellen Kunsterlebnis zu Folge. Auf dem Wege seiner Kreativität befreit sich der Künstler von „Naturformen “und ersetzt diese mit „Kunstformen“, die bis auf die wesentlichen Darstellmitteln Linie und Form reduziert werden können.
Der kreative Weg zur Abstraktion führt meist über das Auseinander-setzen mit der Darstellung von realen Objekten und gestellten Vorlagen. Die Mittel, die der bildenden Kunst zur Verfügung stehen sind die Farben/Formen im Licht/Schatten.
Das künstlerische Werk definiert sich durch die Individualität seines Schöpfers. Es hängt von seiner Inspiration, Laune, Phantasie, gestalterisches Können, Technik und Vision ab. Lebenserfahrungen, Gefühlsimpulse, Lust, die Tradition seiner Vorfahren aber auch Gerüche und Musik, sowie Farb- und Formempfinden - erfahren ihren dynamischen Niederschlag in der Komposition / im eigenen, dynamischen spontanen Bildmoment.
Kunst, genauso wie der Mensch, unterliegt dem Wandel der Zeit, dem Strom – in dem alles seinen vergänglichen Platz einnimmt. So trifft der Betrachter beim Begegnen eines Bildes das Ergebnis eines im Wandel befindlichen Kunstprozesses an. In dieser greifbaren Synthese haben sich alle Quellen entfaltet, die den Künstler selbst prägen, die ihm in jenen Momenten zur Verfügung standen und das Werk zu dem machen, was der Betrachter vorfindet. Nun kann er selbst individuell das Werk wahrnehmen, empfinden und verstehen. Zulassen des individuellen Kunstempfindens setzt „Pluralität“ anerkennen, sich einfach dem Neuen gegenüber zu öffnen, voraus.

Es gilt: “dem Menschen die Kunst - der Kunst die Freiheit.“